“TRANSFER“

Ausstellungskatalog mit 64 Seiten und Texten von Marion von Schabrowsky | 2019

„A SELECTION OF WORKS FROM 2014 - 2018“

Ausstellungskatalog mit 56 Seiten und Texten von Marion von Schabrowsky | 2018

„GOLD SPIEGELUNG REFLEXION“

Ausstellungskatalog mit 32 Seiten und Texten con Marja Herceg | 2014

ART-TRANSFER | BONN | CHENGDU | CHINA

Dr. Nicole Birnfeld, Kunsthistorikerin | Pressetext | Ausstellung Update Gallery | Bonn | Mai 2019

In der Welt von Gabriele Angel Leinenbach sind es zunächst drei Serien, die eng miteinander verknüpft sind.

Der Berg ruft: Schwindelnde Höhen, steile Abgründe, magisches Licht: Berge bedeuten Abenteuer und Herausforderung. Sie bergen Gefahr, sie zeigen den Blick auf eine andere Welt, wenn man sie vermeintlich bezwungen hat, sie lassen die Nähe zum Himmel näher scheinen und zeigen die Erhabenheit von Natur. Im riesigen Himalaya-Gebirge liegt der höchste Berg der Welt und unter ihren Bergbildern befindet sich auch der wohl bekannteste Berg Chinas: der Huangshan, „Gelber Berg.“

Die Künstlerin zeigt die Formationen in ihren ganz individuellen charakteristischen Strukturen, die dann nahezu ins Abstrakte gleiten. Durch die Bearbeitung des Gerüsts mit Schlagmetall werden sie zu einer Oberfläche, der etwas Ikonenhaftes anmutet.

Gold wurde in der Kunst immer wieder genutzt, um das Unaussprechliche zum Ausdruck zu bringen, um die Anwesenheit und die Macht von Göttlichem sowie das Irdische anzuzeigen, das gottgleich verehrt wurde.

Die bizarren Felsformen, die von uralten Kiefern bewachsen und steil zum Himmel emporragen, bildet eine Kulisse, die seit Jahrhunderten von chinesischen Malern in Bildern künstlerisch dargestellt worden ist. Durch die spiegelnde Oberfläche fühlt sich der Betrachter magisch angezogen und damit ist er im Bild: sobald er sich nähert, hineinblickt und auch wieder weg bewegt: Die Reflektionen hinterlassen eine Flüchtigkeit, eine Beweglichkeit und alles ist einer Veränderung unterzogen, wie der Kreislauf des Lebens.

Folgerichtig können die Umrisslinien auch in den Raum wachsen. Die glänzenden Strukturen werden autonom, sind von der Bildfläche gelöst und werden zu einer skulpturalen Arbeit aus Metall. Magnolien sind Ziergehölzer mit prachtvollen Blüten, die in der Natur für einen Farbrausch sorgen. Hier sind sie durch die Materialität auf eine andere Ebene gebracht.

Zufall oder nicht, aber der dekorative Baum wird besonders in China geschätzt.

Die Magnolie steht auch für Hingabe, die Meditation und Intuition, die Selbsterkenntnis, den inneren Frieden und die Treue. Die lichtvolle, hohe Schwingung mit erhebender Wirkung lässt sich vielleicht auch von Ihnen in der Arbeit erspüren. Durch deren Anbringung an der Wand entstehen wiederum Schattenspiele, die eine weitere Dimension eröffnen.

Konfrontiert werden diese Arbeiten mit kleinen Holzboxen, die ebenfalls in Blattgold gefasst sind.

Schaut man in diese hinein, blickt man auf Strukturen, die von Pigmenten herrühren und die durch eine besondere Leuchtkraft und Tiefe überzeugen.

Keine Berge, keine Blüten, es wird gegenstandslos, aber diese führen uns konsequenterweise in eine andere Dimension. Die Oberflächenbeschaffenheiten erinnern uns an Erdformationen, vielleicht an eine leuchtende Ursuppe, an ein Brodeln, das allen Anfang von Leben beschreiben könnte und die Schönheit in einer geheimnisvollen Unbestimmtheit feiert.

„...So golden schön, wie Morgenwolken auf jenen Höhen.“

Pressetext zur Ausstellung in der Galerie Britta von Rettberg, München

– Marion von Schabrowsky, Kunsthistorikerin –

Kontemplation, Konzept und reine Malerei – die Werke von Gabriele Angel Leinenbach ziehen durch ihre Schönheit den Blick des Betrachters auf sich und durch ihre Tiefe halten sie ihn, um das ‚Sein‘ als das zu verinnerlichen, was es ist.

Gabriele Angel Leinenbachs Arbeiten sind eine Hommage an die pure Schönheit und Erhabenheit der Natur – in all ihren flüchtigen Phänomenen als auch konkreten Erscheinungen. Letztere schlagen sich in einem Motiv nieder, dass im Schaffen der Künstlerin immer wiederkehrt.

Die Künstlerin wählt berühmte Berge wie den Mount Everest, das Matterhorn oder den Nuptse im Himalaya Gebirge, die in ihren gewaltigen Ausmaßen zum kraftvollen Symbol der in der Welt wirkenden Naturgewalten werden.

Gabriele Angel Leinenbach greift damit ein Bildmotiv auf, das eine ganz besondere Bedeutung in der menschlichen Kultur und der gesamten Kunstgeschichte spielt: Als uraltes Symbol bedeutet der Berg die Nähe zu himmlischen Gefilden. So mancher Berg galt sogar als direkter Heim- und Wirkstätte der Götter: Auf dem Berg Sinai überreichte Gott Moses die Tafel der 10 Gebote, der Himalaya ist Sitz von Shiva, Zeus thronte auf dem Olymp während sich Apollo – der Gott des Lichts und der Künste – sich im Kreis seiner neun Musen auf dem Parnass niederließ.

Von den Gipfel der Berge reiste Gabriele Angel Leinenbach malerisch noch höheren und weiteren Sphären entgegen: Dem Kosmos.

Bildnerisch hat sich der Ausflug in den Weltraum in der Serie der Space-Bilder niedergeschlagen, mit der die Unvorstellbarkeit der weiten Dimension und die Fülle von Existenzformen zum Ausdruck gebracht wird, die fern jeglicher Vorstellungen liegen. Fotografien von Nordlichter und der Milchstraße waren Inspirationsquelle. In den Bildern wird das Auge des Betrachters in diese endlosen Weiten gezogen, wo man sich im Spannungsfeld von Zeit und Raum bewegt.

Mit den Berg- und Space-Bildern erlaubt sich Gabriele Angel Leinenbach, im Schwebezustand zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit zu gleiten. Das eine ist für sie nicht ohne das andere zu denken, da dieses Nebeneinander der Pole das Wesenshafte der Seins- und Naturzustände reflektiert – Existenz, Kosmos und Natur sind von entgegengesetzten und doch verschränkten Prinzipien geprägt: Konkretes und Formloses, Kristallisation und Verflüchtigung, Sichtbares und Immaterielles, Ruhe und Dynamik, Transparenz und Opaques und somit Abstraktion und Figuration.

Im Schaffensprozess bewegt sich Gabriele Angel Leinenbach nicht nur frei zwischen den malerischen Ausdrucksmöglichkeiten, sondern arbeitet gleichzeitig an unterschiedlichen Werkserien, um Bildideen im Fluss halten zu können.

Ein beständiges Element tritt allerdings bei vielen Bildserien in den Vordergrund: Die Verwendung von Gold. Durch alle Jahrtausende hindurch hat kaum ein Metall die Menschheit aller Kulturen so in den Bann gezogen wie das Gold. Viele Werke, die Berühmtheit erlangt hatten erstrahlen in Gold:

Denken wir nur an die goldene Toten-Maske des Tutanchamun auf der einen Seite oder Gustav Klimts Meisterwerk Der Kuss auf der anderen Seite. In beiden Werken spielt das Gold eine ehrerbietenden Rolle: Im ersten Fall ist es die Stellung des jungen verstorbenen Königs und im zweiten Fall ist des die Liebe zwischen zwei Menschen, die Klimt in Gold taucht.

Denken wir an dieser Stelle nochmals an Goethe: „…und golden schön…“.

Und hier schließt sich der Kreis: Von der Unendlichkeit des Raumes kommen wir zurück zu den Berggipfeln und Johann Wolfgang von Goethe, der einst sinnend meinte: „Berge sind stille Meister und machen schweigsame Schüler“. Er meint damit das Gefühl des Erhabenen, das den Menschen durchdringt, wenn er sich im Angesicht der sublimen Kraft und Ruhe der Natur wiederfindet.

Auf dem Gipfel öffnet sich der Blick und weitet sich der Horizont. In der Kontemplation dieser Größe wird der Mensch als Individuum seiner Nichtigkeit gewahr. Aber er erkennt auch, ein Teil dieser Naturkräfte zu sein. Sie spiegelt sich in ihm. Für einen Moment wird der Mensch durchfegt von Gefühl der inneren Größe und der enormen Freiheit, die einem – so Schopenhauer – los löst vom Wollen und der Ruhelosigkeit.

Gold · Mirroring · Reflection

Art Exhibition Catalogue, Frauenmuseum Bonn

– Marija Herceg, art historian 2014 –

Gabriele Angel Leinenbach’s series of works in gold bring together the charm and appeal of the synthesis of various materials and techniques: In addition to acrylic paint, she also makes use of imitation gold leaf for her pictorial worlds – sometimes applied with geometric precision, sometimes creating an abstract element of style. By doing so, her works do not just give the impression that they have been painted but appear “constructed” as well. Leinenbach does not regard the support base as a simple tableau; instead, she creates new space with her gold leaf applications, thus broadening the understanding of painting. The reflection of the highly polished surface subjects her works to constant change. She draws space, movement , light and shadow into the interior of the painting.

City · Landscape · Mankind

– Marija Herceg, Kunsthistorikerin –

On a deep-blue base – where the blue even suddenly turns into black in some places – the skyline of Istanbul towers above the ground in the painting “Gold Rush Istanbul”. The pulse of life rises like an ECG curve, facing the darkness of the night. It shimmers, there is movement – the city – one perpetual strip of lights.

Gabriele Angel Leinenbach’s series of cityscapes show metropolises such as Sydney, New York and New York’s Manhattan, Dresden or Tokyo. The artist also applies herself to urban “icons”, placing the Colosseum of Rome or the Eiffel Tower of Paris in the painting in a detached and fragmented manner.

The cityscapes are brought to life by contrasts: She lays sheets of imitation gold side by side with geometric precision onto the monochromatic, rich acrylic surface of the background, which emulate the clear-cut architectural shapes and elements. However, her paintings do not remain static: They change incessantly, take advantage of the movements from outside as their accomplices, transport light and shadow into the interior of the paintings. The cityscapes do not look as if they have been painted but rather “constructed”. The imposing silhouettes of urban architecture are shaped just like the city erected by man without the sophisticated machinery available today.

Nature, the unity of night and sky, is disunited in “Gold Rush Istanbul”. The fact that Gabriele Angel Leinenbach “builds” her cityscape, thereby also affording them a sculptural dimension, is also epitomised in her choice of media. Metal has been an important material for mankind since primeval times and describes the development of the human race – simply pause for a moment and reflect on the names given to the eras – Bronze Age or Iron Age.

The high lustre finish of the imitation gold leaf creates a monochromatic surface, which constantly changes due to reflection.

the square-shaped grid structure of the individual sheets of imitation gold leaf remain visible in all of her works, bringing the city together into a grid and demonstrating the sharp focus of the artist on the distinct geometry of the square, which is unavoidably reminiscent of Yves Klein’s monochromatic gold tableaux from real gold. The encounter with Klein’s work embodies, as Leinenbach herself states, the attention to colour and surface: The individual is no longer portrayed in the style of her earlier works but is merely depicted in a different manner by the reflection on the surface of the painting. The viewer is “reflected” in the pictures. In this way, the city – as a symbol of modern world – acts as a mirror to the individual whose features can be faintly made out in the reflection. The unostentatious imitation gold leaf, which emulates the preciousness of gold, symbolises William Shakespeare’s “Not all that glitters is gold”, says the artist with regard to her choice of materials. In the middle of the 20th century, the monochromatic gold tableaux of Yves Klein came about as a critique of the capitalist organisation of the art market though the medium of painting.

The contrived beauty of the facades is demonstrated in the artist’s works: The city gleams, presents itself as a golden unity, distorting reality.

The surrounding space incorporated by Angel Leinenbach subjects the works to constant change. The composition of the distinct lines, areas and shapes braces itself against this change, yet the portrayal of humans per se has been omitted. Man merely appears as the erector of the cities. The focus is on the product, not on the builder himself. The human factor is only made vaguely perceptible by means of the diffuse reflection of the surface.

The artist does not formally overload her paintings. The compositions are stripped down. However, the artist creates new shapes over and over again by means of this mirroring, which she does not force into the paintings in the form of representational art. The dynamic surface of the material alone enables her to visualise constant change.

Her series is supplemented by her landscapes such as “Gold Rush of the Kaiser Mountains” The painting draws on the same materials, but this time does not depict a city but the striking Tirolean mountain range. Here, nature is no longer disunited by a skyline. Instead, the mountain rises up to meet the sky in the large format against an earthy brown background. Once again, the artist has applied imitation gold leaf in order to enhance the shapes by reflection. This time, however, the areas are not geometrically accurate, but emulate the geological and tectonic forms of the surface of the earth, which assert themselves against the oceans. Light, shadow, movement predominantly serve to enhance the natural shape. Man is not the “engineer” but rather takes on a subordinate role to nature – as the greatest creation. “Human-beings tend to have an over-inflated sense of self-worth”, remarks the artist. In the case of “Gold Rush of the Kaiser Mountains”, however, nature is in charge.